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Von einer schönen Bajuwarin und vielen Gästen
Markt feierte 10 Jahre Heimatmuseum Adlhoch-Haus - Lob von allen Seiten

In zehn Jahren ist das Heimatmuseum Adlhoch-Haus zu einem Fenster in die Vergangenheit geworden, das einen Überblick über 7500 Jahre Ortsgeschichte gewährt. Am Sonntag hat der Markt das Jubiläum seines Heimatmuseums gefeiert: Zuerst vor rund 70 geladenen Gästen im Bürgersaal, wo Grussworte und Vorträge auf dem Programm standen, danach im Museum. selbst, wo sich knapp 200 Bürger führen und unterhalten liessen.
10 Jahre Museum 102
Die Redner im Bürgersaal - unter anderen stellvertretender Landrat Johann Leipold, Bürgermeister Josef Sehofer und der stellvertretende Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Georg Waldemer, - würdigten das Engagement der Altdorfer und die überregionale Bedeutung dieses Museums, das von der Jungsteinzeit angefangen bis in die jüngste Vergangenheit eine seltene historische Kontinuität bietet. Museumsleiterin Monika Weigl zeichnete ein lebendiges Bild des ehemaligen "Bauernsachls", in dem an guten Tagen mehrere Schulklassen, an Sonntagnachmittagen schon einmal um die 250 Leute ein- und ausgehen. Und es kommen immer mehr: Sind es 1997 noch rund 1300 Besucher gewesen, so waren es im vergangenen Jahr bereits rund 4000. Attraktiv werde das Museum nicht nur durch die gezeigten Fundstücke aus sieben Jahrtausenden, sondern auch durch die Ausstellungen und Aktionen des Heimat- und Museumsvereins, so Weigl.

Im Museum findet sich auch die ZeichnUng einer bajuwarischen Frau, rekonstruiert nach dem Grabungsbefund bei Aich. Dort im "Kleinfeld" war das Grab der Dame vor acht Jahren entdeckt worden - darinnen gut erhaltener Schmuck. Hubert Fehr vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege stellte in seinem Festvortrag die "Dame von Aich" und seine Theorie zur Entstehung der Bajuwaren vor. Demnach lebte die reiche Bajuwarin im siebten oder frühen achten Jahrhundert - in einer Zeit, in der sich allmählich eine bajuwarische Identität erst herausbildete. Nach Fehr wäre es verfehlt, anzunehmen, die Bajuwaren als Stamm seien von irgendwo hergekommen, aus einer Art "Urheimat". Vielmehr dürfe man wohl eher davon ausgehen, dass zunächst eine politische Struktur unter dem Herzogtum der Agilolfinger (eingesetzt von den Metowingern) entstanden sei - und darin hätten die ganz unterschiedlichen Bewohner nach und nach ein (bajuwarisches) Wir-Gefühl entwickelt,. bis sie schliesslich alle Bajuwaren waren, und Sinn hatten für die gleiche Mode und den gleichen Schmuck - wie auch die Dame von Aich, die damit nicht nur eine optische Schönheit gewesen zu sein scheint, sondern auch widerspiegelt, dass vor zwölfhundert Jahren die Menschen zwischen Alpen und Donautal sich tatsächlich zu Bajuwaren zusammenfanden.

Zusammengefunden haben sich nach dem Festakt im Bürgersaal die Leute auch im Heimatmuseum. Dort führte Museumsleiterin Monika Weigl die knapp 200 Gäste immer wieder durch die Räume, während drinnen in der Stube der Heimatdichter Alois Tremmel aus seinen Werken las und an einem Stand originalgetreu nachgebildeter bajuwarischer Schmuck zu haben war - auf dass auch die neuzeitlichen Nachfahren der mittelalterlichen Bajuwaren einen gewissen Stolz am Revers tragen mögen.

Mit einem gewissen Stolz präsentierte der Heimat- und Museumsverein Altdorf an diesem Tag auch den druckfrischen zweiten Band der "Altdorfer Schriften", herausgegeben als Jubiläumsband unter dem Titel "Von einer schönen Bajuwarin und anderen Menschen aus 7000 Jahren", darin unter anderem der Festvortrag von Hubert Fehr in Kurzform, die Geschichte von Museum und Verein der vergangenen zehn Jahre, ein Überblick über 7500 Jahre, Altdorf sowie die Jahrhunderte lange Geschichte des Homaor-Hofes in Eugenbach und viele, viele Farbfotos. Der Band (erschienen im Verlag via verbis bavarica, Wambach; ISBN 3-935115-32-6) kostet   7,90 Euro und ist im Buchhandel oder beim Heimat- und Museumsverein Altdorf zu haben.
LZ v. 03.05.2006
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