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Teil eines wertvollen Armrings gefunden
Schmuckstück wurde vor rund 6 000 Jahren getragen - Im Heimatmuseum zu sehen

Seit Jahrzehnten kontrollieren Vereinsmitglieder der Gesellschaft für Archäologie in Bayern und des archäologischen Vereins arLan die Bodendenkmäler auf den Feldern im Landkreis. Manches viele Jahrtausende alte Steinwerkzeug oder Geschirrteil wurde so von den ehrenamtlichen Denkmalpflegern auf einem frisch gepflügten Feld gefunden. Diese Fundstücke werden, nachdem ein Archäologe sie hinsichtlich ihrer Entstehungszeit und ihres Verwendungszwecks begutachtet hat, in FundsteIlenlisten eingetragen.

SteinarmringNormalerweise bleiben sie dann im Besitz des Finders, der sie aber gemäß dem Denkmalschutzgesetz aufzubewahren und der Wissenschaft zur Bearbeitung zur Verfügung zu stellen hat. Es lagern viele schöne und interessante Funde in diversen Depots, niemand bekommt sie je zu Gesicht. Anders kann das in Orten mit Museen sein, die über geeignete Ausstellungsmöglichkei ten verfügen. So wird derzeit ein ganz besonderer Fund in der archäologischen Ausstellung im Altdorfer Museum Adlhoch-Haus gezeigt: ein steinerner Armring aus der Jungsteinzeit.

Karl Fahrnholz suchte mit anderen ArLan-Mitgliedern einen Acker ab, auf dem seit Jahrzehnten immer wieder Überbleibsel aus der Steinzeit gefunden wurden. Auf einer Erdscholle entdeckte er ein unscheinbares rundliches Teilchen, das sich dann nach gründlicher Ansicht durch Kreisheimatpflegerin für Archäologie, Monika Weigl, als sensationeller Fund herausstellte. Es war ein Teil eines Arrnrings aus einem grünlichen Stein, sorgfältig in Form gebracht, gebohrt und glatt geschliffen.

Der Stein ist bisher noch nicht bestimmt, es könnte sich aber um eine Art Amphibolit handeln, also eine Gesteinsart, die am Inn oder der Salzach ihr natürliches Vorkommen hat. Früher, als die Isar noch ein reißender Gebirgsfluss war, wurde derartiges Geröll bis in die hiesige Gegend gebracht. Das damals sicher viel beachtete Schmuckstück hatte eine junge Frau oder vielleicht sogar ein junger Mann vor rund 6000 Jahren getragen.

Aufgrund der auffallend grünen Gesteinsfarbe und der feinen, sehr sorgfältigen Herstellung ist es außergewöhnlich. Da derartig feine Steinobjekte auch schnell zerbrechen, trug man diese bestimmt nur zu besonderen Anlässen.

Leider ist bis heute kein Graboder Siedlungsfund mit einem Steinarmring als Schmuckbeigabe bekannt, alle wurden bei Feldbegehungen entdeckt. Welchen kunstvoll hergestellten Schmuck aus Naturmaterialien wie beispielsweise Holz, Körnern oder Tierhaare die Frauen, Männer und Kinder damals tagtäglich trugen kann niemand sagen. Denn nur Materialien wie Stein,
Perlmutt, Schildpatt, Zähne, versteinertes Holz oder später auch Metalle, haben die Jahrtausende und die natürliche Zersetzung im Boden überdauert.

Die Wohnorte der stichbandkeramischen Bauernfamilien sind zwar durch ausnehmend viele Keramikfunde bekannt, jedoch weiß man nichts über ihren Hausbau und ihre Bestattungsplätze. Diese Relikte schlummern entweder noch von Humusschichten bedeckt im Boden oder sind bereits durch die zunehmende Erosion zerstört worden und daher als Dokumente unserer uralten Kulturgeschichte unwiederbringlich verloren. Der gefundene Steinarmring ist im Museum in Altdorf zu sehen: an jedem letzten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr oder für Gruppen und Geschichtsinteressierte nach Vereinbarung:
Telefon 0151-1438604.