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Blick in Geschichte des "Penkerhofs"
Die Sonderausstellung im "Adlhoch"-Museum fand viel Interesse

"Der Penkerhof ist wohl der Ur- Hof von Pfettrach." Mit dieser Aussage hat Kreisarchivar Hans Seidl bei der nochmaligen Öffnung der mit vielen Dokumenten untermauerten Sonderausstellung im "Adlhoch"-Museum, die der Heimat- und Museumsverein angeboten hat, die einstige Bedeutung dieses herrschaftlichen Bauernhofes im Pfettrachtal beschrieben.

Zu dieser Museumsöffnung am Sonntag waren viele interessierte Besucher, darunter auch auswärtige Archivare und Museumsbetreuer, gekommen. Bürgermeister Franz Kainz bekundete durch sein Erscheinen ebenfalls seine Anerkennung für diese herausragende Ausarbeitung dieser Sonderausstellung, die Kreisarchivar Hans Seidl und Heimatbuchautor Ernst Gruß gemeinsam vorbereitet hatten. Museums lei terin Monika Weigl und die Vorstandschaft des Heima t- und Museumsvereins Altdorf ergänzten die Betreuung der reich bebilderten und dokumentierten Sonderausstellung.

Einen großen Bogen spannte Hans Seidl bei seiner Schilderung der geschichtlichen Vergangenheit dieses Bauernhofes und dessen ehemaligen und heutigen Besitzer und Eigentümer. Demnach eröffnet die Urkunde des Landshuter Stadtarchivs Nr. 2358 vom 27. Mai 1518 die schriftlich belegbare Besitzerliste des "Penker"-Hofes in Pfettrach. Gemäß dieser Urkunde wird von der Stadt Landshut "Panngratz Pengkher vnd Khaterina sein Eeliche Hausfraw" das Erbrecht auf dem damals sogenannten "Harnerhof" in Pfettrach zu Kauf gegeben.

Bereits am Donnerstag nach Pfingsten im Jahre 1489 hat Georg Altdorfer, Bischof von Chiemsee, den "Harnerhof" für die Grundausstattung der Altdorfer Messe in St. Martin vom damaligen Hofmarksherrn "Wilhelm Feur zu Pfettrach" gekauft. Anhand der guten Quellenlage sind die jeweiligen Besitzer über einen Zeitraum von fünfhundert Jahren lückenlos nachweisbar, erklärte Hans Seidl.

Der Kreisarchivar meinte, die Besitzerliste des "Penker"-Hofes sei auch mit der Ahnenreihe des "Geschlechts der Altdorfer" zu betrachten. Laut Urkunden des Sankt Kastulus-Stiftes in Moosburg beginnt diese Mitte des zwölften Jahrhunderts mit "Aribo de Altdorf" . Dieses Adelsgeschlecht hat seinen ehemaligen Herrschaftssitz von Altdorf in die damals aufstrebende Stadt Landshut verlegt und damit auch oft auf die Besitz- und Eigentumsverhältnisse bei grundherrschaftlichen Höfen gezielt Einfluss genommen.

Mit Briefprotokollen, Steuerlisten, Bauplänen und Besitzerfolgen sowie großformatigen Bildern haben Kreisarchivar Hans Seidl und Heimatbuchautor Ernst Gruß die Hofgeschichte des "ganzen Penker-Hofes", so die frühere Hoffußeinteilung, dargestellt. Für die recht interessierten Besucher war diese Ausstellung eine Zeitreise über fünf Jahrhunderte. Schlimme Zeiten erlebten die Besitzer dieses Hofes beim Schweden-Einfall 1632 sowie bei der Einquartierung bayerischfranzösischer Truppen 1809, die von österreichischen Truppen von den Gstaudacher Höhen aus beschossen worden sind. In beiden Fällen ist der stattliche "Penker"-Hof vollends abgebrannt. Noch heute liegen Schuldbriefe aus dieser Zeit vor, die belegen, wie und wo die Besitzer das Geld zum Wiederaufbau auftreiben konnten, berichtete Hans Seidl.

Die heutige Eigentümerfamilie "Stanglmayr", von der ebenfalls viele Angehörige aus nah und fern die Sonderausstellung besuchten, kann laut Hans Seidl ihre Namensgebung charakteristisch von "Stangln eingezäunten Höfen" in Oberneuhausen, Peterswahl und Schindlambach ableiten. Nach den Worten des Kreisarchivars sind aus den beiden Pfettracher "Stanglmayr-Familien" dann später mehrere Stammlinien hervorgegangen. Der mehrmals im südbayerischen Raum auftauchende Name "Penker" selbst ist in einer eigenartigen Flurbeschaffenheit begründet.
LZ v. 05.07.2010