Altdorf

© 2004
erstellt durch Ja-DV

Die Sonderausstellung „Das Baderwesen in Altdorf, Pfettrach und Eugenbach“ im Heimatmuseum „Adlhoch-Haus“ stieß gleich am ersten Ausstellungstag auf großes Besucherinteresse. Weit ĂŒber hundert Interessierte fanden sich ein, um die auf zahlreichen StellwĂ€nden zu sehenden drei ehemaligen Bader-Hofstellen mit vielen historischen Übersichten sowie die in den Vitrinen liegenden Utensilien des frĂŒheren Friseurhandwerks zu bestaunen. Zusammengestellt hat die Ausstellung Hans Seidl, Kreis-Archivpfleger und dritter Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins.

Ida Forster, erste Vorsitzende des veranstaltenden Heimat- und Museumsvereins, begrĂŒĂŸte die erschienenen Mitglieder des Marktgemeinderates mit den BĂŒrgermeistern Franz Kainz und Willi GĂŒrtner, mehrere Vertreter des örtlichen Friseurhandwerks und die zahlreichen Ausstellungsbesucher. BĂŒrgermeister Franz Kainz dankte im Namen der Marktgemeinde dem Organisator des Ausstellung, Hans Seidl, fĂŒr die viele Arbeit, die er wĂ€hrend seiner Freizeit fĂŒr das Zustandekommen dieser PrĂ€sentation aufgewendet habe, sowie den Verantwortlichen des Heimat- und Museumsvereins, deren TĂ€tigkeit fĂŒr das Renommee des Marktes Altdorf nicht hoch genug einzuschĂ€tzen sei. Er wĂŒnsche der Ausstellung viele interessierte Besucher und einen guten Verlauf.
Ausstellungsorganisator Hans Seidl dankte dem Heimatforscher Ernst Gruß, mit dem er in den vergangenen Jahren mehrere Ausstellungen durchfĂŒhrte, fĂŒr die ZurverfĂŒgungstellung der großformatigen historischen Bilder ĂŒber die ehemaligen Bader-Hofstellen, sowie den Friseurmeistern Josef und Gerhard Reiter fĂŒr die Überlassung der Utensilien aus dem Friseurhandwerk von Mitte des 20.Jahrhunderts. Jede der drei ehemaligen Gemeinden hatte einen ortsansĂ€ssigen Bader, sagte Hans Seidl. Mit dieser Ausstellung versuche er nahe zu bringen, wie das frĂŒher war.
Die Bader und Barbiere seien frĂŒher Dienstleister gewesen, zu deren Aufgaben das Rasieren, Baden, Schröpfen, ZĂ€hneziehen und kleinere Ă€rztliche Verrichtungen gehörten, sagte Hans Seidl. Von den Bauern wurden sie frĂŒher mit Getreideabgaben bezahlt sowie durch Holzabgaben fĂŒr das Einheizen des Badeofens. Die Bevölkerung hatte einmal in der Woche Anspruch auf das Baden. Es gehörte zur Grundversorgung. DafĂŒr mussten alle zahlen. Auch das Gesinde.
Hans Seidl machte auf die StellwĂ€nde im Erdgeschoss aufmerksam, je zwei fĂŒr die Ortsteile Altdorf, Pfettrach und Eugenbach. Auf diesen sind die Besitzerfolgen der drei Bader-Hofstellen mit Briefprotokollen ĂŒber Kauf und Übergabe, die BauplĂ€ne der Hofstellen aus dem Zeitraum von 1871 bis 1930, KatasterplĂ€ne von 1812 mit Lage der jeweiligen BadhĂ€user, genealogische Übersichten mit Hochzeits-, Geburts- und Sterbedaten sowie Herkunftsorte der Bader, ferner die Ehaftsordnungen mit den jeweiligen Pflichten und Rechten der Bader von Altdorf von 1489, von Pfettrach vom 15.9.1786 und von Eugenbach von 1617 zu sehen. Auch einige Rechtsstreitigkeiten und deren gerichtliche Regulierung sind dokumentiert.
An den Schautafeln im Obergeschoss sind die TĂ€tigkeiten von Badern, Barbieren und Feldscherern in Wort und Bild zu sehen. Abbildungen von einer Aderlassschale, von Schröpfköpfen, Haarseilzangen, chirurgischem Besteck sind ebenso vorhanden wie das Aufsetzen von Schröpftöpfen, der Aderlaß an einer Frau und ein MĂ€nnerbad von Anfang des 16. Jahrhunderts sowie ĂŒber Körperpflege und Kleidung in verschiedenen Zeitepochen wie Gotik und Renaissance.
In mehreren Vitrinen ist Literatur ĂŒber das Baderwesen ausgestellt sowie alte FriseurgerĂ€te wie Scheren, KĂ€mme, HandschneidgerĂ€te, Rasiermesser sowie Hölzer und BĂ€nder zum Messerschleifen. Die Friseurmeister Josef und Gerhard Reiter erklĂ€rten den aufmerksam lauschenden Zuhörern die Arbeit mit den alten GerĂ€ten aus der Nachkriegszeit. Dabei erfuhr man, dass die HandgerĂ€te oft SehnenscheidenentzĂŒndungen verursachten. Die Arbeit, bei der auch handgeschmiedete Scheren verwendet wurden, war jedenfalls viel anstrengender als heute. So brachte die Anschaffung des ersten elektrischen SchneidegerĂ€ts – das auch in der Ausstellung zu sehen ist – bei Friseur Reiter in den 50er-Jahren eine enorme Erleichterung fĂŒr Friseur und Kunden, erzĂ€hlte Josef Reiter. Das GerĂ€t kostete 500 Mark – damals ein kleines Vermögen.
Die Sonderausstellung ĂŒber das Baderwesen ist noch am 26.September, jeweils von 14 bis 17 Uhr, im Altdorfer Heimatmuseum zu sehen.