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Traditionen und Kulturgüter bewahren
Jahresversammlung des Heimat- und Museumsvereins
 “Es wird sehr gute Arbeit geleistet”

Das vergangene Vereinsjahr des Heimat- und Museumsvereins war mit vielen Aktivitäten ausgefüllt. Das ging aus dem Rechenschaftsbericht der Vorsitzenden Ida Forster hervor, die zur Jahresversammlung im Bernsteinhof trotz des schlechten Wetters viele Mitglieder begrüßen konnte. Auch für die kommende Museumssaison stehen wieder interessante Vorführungen und Ausstellungen auf dem Programm.

JHV-kl02Das Bemühen um die Wahrung der Traditionen und Kulturgüter stehe für den Heimat- und Museumsverein immer im Vordergrund, um diese an die Museumsbesucher weitergeben zu können, sagte Vorsitzende Ida Forster zu Beginn ihrer Ausführungen. So habe man am ersten Museumssonntag Körbeflechten, Besenbinden und Brotbacken im Steinbackofen, alles schon fast vergessene berufliche Tätigkeiten, vorgeführt.

Aber auch die nahe geschichtliche Vergangenheit sei im Jahr 2005 ein Thema gewesen. Einer viel besuchten Ausstellung über das Kriegsende vor 60 Jahren in Altdorf ging eine Fahrt zum Konzentrationslager Flossenbürg voraus, an dem viele Vereinsmitglieder teilnahmen. Für Personen, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges in Altdorf unverschuldet ihr Leben lassen mussten, habe Pfarrer Josef Dotzler einen Gottesdienst zelebriert, sagte Ida Forster. In der Ausstellung, die von Hans Seidl organisiert worden war, wurden Bilder vom Bombenangriff auf den Landshuter Bahnhof und auf die Gemarkung von Löschenbrand gezeigt, die von Ernst Gruß zur Verfügung gestellt worden waren. Zeitzeuge Franz Hermann aus Ganslberg war an den Ausstellungstagen ein viel gefragter Gesprächspartner.

Im Rahmen dieser Ausstellung stellte der Altdorfer Heimatbuch-Autor Ernst Gruß anhand von Bildern und Graphiken die Vertreibung und den Fluchtweg seiner Familie aus Schlesien dar. Das Interesse an dieser Dokumentation war so groß , dass diese einen Monat später noch mal gezeigt wurde, wusste Ida Forster zu berichten.

Auf große Resonanz stieß auch die Ausstellung von 60 Trachtenpuppen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die alle von der „Puppenmutter“ Gerda Graumann in Handarbeit gefertigt worden waren. Die Ortsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft mit ihrem Vorsitzenden Peter Fuhrmann habe hier große Vorarbeit geleistet, sagte Ida Forster. An diesem Ausstellungssonntag hatten auch Maria Frey und ihr Sohn Bartl die alte Kunst des Herstellens von Wachsstöckerln gezeigt.

Auch diesmal wieder habe dritter Vorsitzender und Archivar Hans Seidl das Museumsleben mit einer Sonderausstellung über die Geschichte der Hofstellen in den Ortsteilen Ostergaden, Oed und Dax bereichert, lobte die Vorsitzende. Auch hierzu habe Ernst Gruß zahlreiche Bilder aus seinem Archiv zur Verfügung gestellt. Höhepunkt des Vereinsjahres sei die Feier zum 10-jährigen Bestehen des Vereins gewesen, berichtete Ida Forster. Mit einem Gottesdienst, einer Feierstunde im Museum und der Ehrung von verdienten Gründungsmitgliedern habe man dieses Ereignis würdig begangen.

Hunderte von Zuschauern waren an einem sonnigen Septembertag auf einen Acker der Familie Wadenspanner gekommen, um Feldarbeit wie in früheren Zeiten mit verschiedenen Pferdegespannen zu sehen. Das Weinfest und Volkstänze, vorgeführt von der Altdorfer Volkstanzgruppe, beendeten die Museumssaison.

Der Verein konnte an den offenen Sonntagen 1425 Besucher willkommen heißen, berichtete Vorsitzende Ida Forster. Mit den Teilnehmern des museumspädagogischen Schulprogramms, durchgeführt von Museumsleiterin Monika Weigl, des museumsbegleitenden Programms des „Historischen Forums Altdorf“ sowie den Gruppenführungen konnte der Verein sogar 4116 Personen zählen, war die Vorsitzende offensichtlich stolz auf diese Besucherzahlen.

Einen detaillierten Bericht über die Ein- und Ausgaben erstattete Kassier Michael Kapfhammer. Josef Deifel, der zusammen mit Richard Gruß die Kasse geprüft hatte, bescheinigte ihm eine vorbildliche und übersichtliche Kassenführung.

Auch Bürgermeister Josef Sehofer ging in seinem Grußwort auf die hohe Zahl der Besucher im Museum ein. „Wir stehen damit im Landkreis an der Spitze und das zeigt, dass sehr gute Arbeit geleistet wird“, sagte das Marktgemeinde-Oberhaupt und dankte den Verantwortlichen des Heimat- und Museumsvereins für die engagierte Arbeit, das Museum mit Leben zu erfüllen. Der Bürgermeister ging auch auf die Freilegung eines „Ottonischen Gemäuers“ bei der Erneuerung des Außenputzes der Eugenbacher Kirche ein, zu der der Heimat- und Museumsverein mit einer Geldspende beigetragen habe. Diese Mauer stammt aus dem Jahr 955 und ist damit die zweitälteste in Niederbayern erhaltene Mauer aus dieser Zeitepoche, berichtete Josef Sehofer.

Weiter kündigte der Bürgermeister an, das die Archäologen im Sommer dieses Jahres gefordert sein werden, denn die Ausgrabungen auf dem Gelände der vorgesehenen Nordumgehung von Altdorf sollen vor Beginn der Bauarbeiten vorangetrieben werden.

Am 30. April ist das Heimatmuseum erstmals wieder geöffnet, berichtete dritter Vorsitzender Hans Seidl, der einen Überblick auf die Vereinsaktivitäten dieses Jahres gab. An diesem Tag feiert die Marktgemeinde mit einer Festveranstaltung im Bürgersaal das

10-jährige Bestehen des Heimatmuseums. Im Rahmen dieses Festaktes stellt der Heimat- und Museumsverein den zweiten Band der Altdorfer Schriften vor, der diesmal eine Jubiläumsausgabe wird, und am Nachmittag wird im Museum archäologischer Schmuck ausgestellt.

Weitere herausragende Ausstellungen und Vorführungen werden im Mai das Brotbacken und Heilsteine sowie ein Vortrag von Gerd Reiter über „Heilpflanzen bei den Kelten“ sein, im Juli „Silber walzen und ziehen“ und im August und September wieder eine Dokumentation von Archivar Hans Seidl über Haus- und Hofgeschichte, diesmal über den Homerhof in Eugenbach.

Den Diavortrag von der Veranstaltung im September über das Ackern mit Pferdegespannen moderierte der Pferdeexperte Josef Geltl, der mit Hans Fischer, Hans Zierer, Hans Prieler und dessen Söhnen Christian und Konrad diese Vorführungen zu einem großartigen Erfolg werden ließ. Josef Geltl sprach seinen Dank aus, „dass wir diese Veranstaltung machen durften“. Es habe allen Akteuren viel Spaß gemacht. Besonderen Dank sagte er Mitorganisator Anton Paukner vom Museumsverein und den Arbeitern des gemeindlichen Bauhofes, ohne deren Mithilfe die Durchführung der Großveranstaltung nicht möglich gewesen wäre.

Im Anschluss an die Vorführung eines mit viel Beifall bedachten Filmes von Hans Plenk über das Ackern mit den Pferdegespannen überreichten Ida Forster und Anton Paukner den Akteuren dieser Veranstaltung, die alle zu der Jahresversammlung gekommen waren, einen DVD-Videofilm als Dank und Erinnerung. Die Vorsitzende wünschte sich in ihrem Schlusswort: „Besucht uns oft im Museum in diesem Jahr!“