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Kirchenführung in der Frauenkirche
Interessante neue Erkenntnisse über die Orgel

Zum "Tag des offenen Denkmals" hatte der Heimat- und Museumsverein Altdorf eine Kirchenführung in der Frauenkirche mit Ernst Gruß veranstaltet. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte der Vorsitzende Hans Seidl die zahlreich interessierten Besucher.

Gegliedert erklärte der Referent die Christianisierung, die Vorgängerkirche, die Baubeschreibung der Frauenkirche und die Innenausstattung. Bei der Innenausstattung ging Ernst Gruß erstmalig auf die neuen interessanten Erkenntnisse über die Orgel, die bislang in Altdorf unbekannt waren, und die ihm der Landshuter Forscherkollege Heribert Dettenkofer von der Pfarrei Peter und Paul beschaffen konnte, wie folgt ein: Im Jahre 1704 erhielt die Franziskaner-Klosterkirche von Landshut, die sich zwischen dem Kolpinghausan der Freyung und dem Aufgang zum Hofgarten im sogenannten "Prantlgarten" befand, diese Orgel. Die Orgel wurde vom Ingolstädter Orgelbauer Casper König für 174 Gulden und 30 Kreuzer gefertigt. Als das Kloster 1802 säkularisiert wurde, hatte man am .4. November 1802 diese Orgel als ersten Gegenstand versteigert. Der Schätzwert war bei 800 Gulden festgelegt. Geistlicher. Rat und Dekan von Mühl aus Altdorf bot 455 Gulden. Weitere Angebote wurden nicht mehr abgegeben.

   Kirchenführung 09 1           Kirchenführung 09 2   Die Altdorfer bekamen schließlich die Orgel und stellten sie in der Frauenkirche auf. Nur das dazugehörige Marienrelief, für das eigens noch drei Gulden und zwölf Kreuzer bezahlt werden mussten, konnte aus Platzgründen nach oben auf die Orgel nicht aufgesetzt werden. Das Marienrelief kam auf den Dachboden der Nikolakirche. Nach 1930 entdeckte dann Pfarrer Simon Huber auf derri Nikoladachboden eine verstaubte Marienfigur. Bei der Renovierung kam ein Glanzstück hervor mit dem Eintrag "Madonna von Hans Krumber, 1620". Pfarrer Simon Huber ließ dieses Marienrelief am nördlichen Seitenaltar in der Nikolakirche anbringen. Sie ist heute die wertvollste Figur in Alt-St.-Nikola.

Der Künstler Hans Krumper stammte aus einer Weilheimer Bildschnitzerfamilie und erblickte 1570 das Licht der Welt. Als Lehrling kam er 1584 an den herzoglichen Hof nach München, wo er Schüler des berühmten niederländischen Bildhauers' Hubert Gerhard wurde. 1590 verpflichtet sich Krumper, zeitlebens im Dienste des bayerischen Herzoghauses zu arbeiten, 1634 ist der Erzgießer, Maler, Architekt und Bildhauer in München gestorben. Sein berühmtestes Werk ist die "Patrona Bavariae" vor der Münchner Residenz.

Somit hat auch Altdorf ein besonderes Werk von einem der größten bayerischen Künstler in der alten St. Nikolakirche, betonte voll Freude der Altdorfer Heimatkundler Ernst Gruß.