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Wo Geschichte lebendig und begreifbar wird
Altdorfer Heimatmuseum hat am Sonntag wieder geöffnet - Verein hat 175 Mitglieder

Der Markt Altdorf kann sich glücklich schätzen, ein so attraktives und viel besuchtes Heimatmuseum auf seinem Grund und Boden zu haben. Am 26. April 1996 wurde das Adlhoch-Haus als Heimatmuseum eröffnet und seither schreibt es Erfolgsgeschichte. Im Herbst 1995 wurde der Heimat- und Museumsverein Altdorf gegründet, mit dem Ziel, das Museum nach Kräften zu stärken. Der Verein zählt derzeit 175 Mitglieder, die von der Altersstruktur ganz viele Erfahrungen mitbringen. Vorsitzender ist seit 2008 Hans Seidl, der sich intensiv mit der Erforschung der Haus- und Hofgeschichte beschäftigt hat. Diesem Bereich ist ein Kapitel im Museumsführer gewidmet.

lebendige GeschichteDie ältesten Balken im AdlhochHaus datieren aus dem Jahr 1547, weiß Museumsleiterin Monika Weigl zu berichten. Sicher ist, dass bereits vorher ein kleineres Haus ohne Stadel vorhanden war, das dann vergrößert wurde. Alles deute darauf hin, dass der Weinkeller seinerzeit sehr begehrt gewesen ist, denn man könne davon ausgehen, dass er einmal erweitert wurde. Bei den Klimaschwankungen sei er damals wegen der angenehmen Kälte intensiv genutzt worden.

Die letzten Bewohner des Hauses waren die bei den ledigen Schwestern Maria und Katharina Adlhoch. Die Jüngere war als Störnäherin, unterwegs, die Ältere arbeitete zu Hause als Landwirtin. Da die beiden sehr arm waren und ums Überleben kämpften, haben sie äußerst sparsam gelebt und in dem Haus so gut wie nichts verändert. Monika Weigl verweist auf die krummen Türen und die alten Fensterstöcke. 1989 sind die beiden Schwestern im Abstand von nur drei Monaten gestorben. Kurze Zeit später hat die Gemeinde das Adlhoch-Haus gekauft.

Die Verwandtschaft der Adlhochs ist sehr weitläufig. Dr. Hans-Joachim Adlhoch, der aus Frankfurt stammt und in Amberg lebt, hat mit Monika Weigl Kontakt aufgenommen und möchte ein großes Verwandtschaftstreffen im Museum ausrichten. Es dürften 60 bis 70 Leute werden, einige sollen sogar aus Amerika anreisen. Einige wenige Mitglieder des Heimat- und Museumsvereins engagieren sich· sehr stark. Hans Seidl würde sich wünschen, dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird. In den vergangenen Jahren gab es bei den offenen Museumssonntagen viel zu tun. Besondere Höhepunkte waren die Bader- und die Schmiedeausstellung sowie das Säen und Ackern in alten Zeiten mit Josef Geltl aus Engelsdorf.

Am Sonntag öffnet das Museum heuer von 14 bis 17 Uhr zum ersten Mal seine Pforten. Museumsleiterin Monika Weigl hat das Obergeschoss neu gestaltet. So können die Besucher unter anderem einen Schulraum mit alter Tafel, ein Wohnzimmer aus den 20er und 30er Jahren, ein Kinderzimmer, wo der Kinderwagen, in dem eine der beiden Adlhoch-Schwestern gefahren wurde, I steht sowie einen Nähraum sehen. Für Monika Weigl ist das Museum zur zweiten Heimat geworden, in Spitzenzeiten ist sie dort bis zu zehn Stunden am Tag anzutreffen.

Zur festen Größe ist das Weinfest des Heimat- und Museumsvereins im September geworden. "Das Ambiente des Museums ist optimal", sagt Seidl. Das Brotbacken im Backhäusl ist etwas Einzigartiges, schwärmt der Vorsitzende.

Am Internationalen Tag des Museums, der heuer am 17. Mai stattfindet, wird sich die Altdorfer Einrichtung nicht beteiligen, denn es geht dabei um das Thema Tourismus - "und der ist noch nicht bis zu uns durchgedrungen", erklärt die Museumsleiterin". "Stätte des Genusses" lautet das Thema beim Tag des offenen Denkmals am 13. September - " und dafür hat Monika Weigl schon einen Vorschlag: "Wir werden Schmankerl aus der Museumsküche aus dem gleichnamigen Kochbuch kredenzen." Das Buch mit alten Rezepten, die im Heimatmuseum von einem 15-köpfigen Kochteam ausprobiert und aufgeschrieben wurden, ist ein Renner. Mitte des Jahres dürfte die dritte Auflage (1000 Stück) erscheinen.

Das zweite Buch "Schmankerl aus der Museumsküche" ist schon in Arbeit: Seit November treffen sich die Kochbegeisterten alle drei bis vier Wochen, um neue Rezepte auszuprobieren.

Am 2. Mai reisen 37 Italiener aus der Altdorfer Partnergemeinde San Vito an, die im Heimatmuseum einen Steinzeittag erleben wollen. "Das wird spannend, denn ich kann kein Wort Italienisch und soll die Steinzeit erklären", hat Weigl etwas gemischte Gefühle.

Ob Steinzeit, Römerzeit oder Mittelalter - die Anfragen bei Museumsleiterin Weigl sind enorm. Schulklassen unter anderem aus Landau, Erding, Freising und München wollen mehr darüber wissen und verbringen einige Stunden im Adlhoch-Haus. In den Sommerferien wird das Museum nahezu täglich von Kindern in Beschlag genommen.
LZ v. 25.04.2009