Sonderausstellung über „Das Müllerwesen im Pfettrachtal“
im Altdorfer Heimatmuseum

Auf großes Interesse ist die Sonderausstellung „Das Müllerwesen im Pfettrachtal“, die zurzeit im Heimatmuseum „Adlhoch-Haus“ gezeigt wird, gestoßen. Bereits an zwei Sonntagen konnten die Besucher die zahlreichen Bilder, Beschreibungen und Exponate besichtigen, die von Kreisarchivpfleger Hans Seidl zu dieser Ausstellung zusammengetragen wurden. Mit großformatigen Fotos, die vom Heimatbuchautor Ernst Gruß zur Verfügung gestellt wurden, werden die ehemaligen Mühlen in Altdorf und Pfettrach auch bildlich dargestellt.

Bild zur Mühlenausstellung02Insgesamt sechs Mühlen sind es, deren Geschichte in Wort und Bild dargestellt werden, nämlich die Schrannermühle, die Mittermühle, die Obermühle sowie die Schlossmühle und die Haunmühle in Pfettrach. Die Schrannermühle in Altdorf, frühere Hausnummer 76, war die älteste der vier ehemaligen Altdorfer Mühlen. Das auch als „Rothmühlengut“ bezeichnete Anwesen wurde im Jahre 1230 erstmals urkundlich als Mühle erwähnt. Von etwa um 1377 bis 1439 hieß sie Radmühle und gehörte bis 1902 zum Schmidtnerhof und wurde im gleichen Jahr für 5000 Goldmark von Familie Schranner erworben. 1962 wurde zum letzten Mal gemahlen und 1967/1968 wurde das gesamte Mühlengebäude abgebrochen.

Die ehemalige Mittermühle wird in der Ausstellung mit einem Bild vom Jahr 1927 dargestellt. Erstmals urkundlich erwähnt wird diese Mühle um 1930 mit dem Namen „Radmansch Mühl“. Im Jahr 1927 wurde dort die Metzgerei Abstreiter (Kollmeder) gegründet, die heute unter dem Namen Detterbeck geführt wird.

Von der Obermühle, die die ehemalige Hausnummer 54 hatte, ist ein Bild mit der Säge und einem Antriebsrad ausgestellt. Es war aber noch ein zweites Antriebsrad zum Betreiben der Mühle vorhanden. Das Alter der „Aicher Mühle“ im Weiler Aich ist nicht bekannt. Um das Jahr 1960 wurde auch der Mühlenbetrieb von Josef Wackerbauer eingestellt.

Die Schlossmühle von Johann Hartlmüller in Pfettrach, ehemalige Hausnummer 34, war eine Mühle mit zwei Mahlgängen. Das Gebäude wurde 1978 abgebrochen. Die Haunmühle, auch unter dem Namen „Hahnmüllerhof“ bekannt, wurde im Jahre 1330 erstmals urkundlich erwähnt und hielt den Mühlenbetrieb bis 1971 aufrecht.

Der interessierte Museumsbesucher kann die Besitzerfolgen dieser sechs Mühlen aus Altdorf, Aich, Pfettrach und Haunmühl bis zu ihren Anfängen zurückverfolgen. Auch die Baupläne der sechs Hofstellen aus dem Zeitraum von 1871 bis 1930, Katasterpläne von 1812 mit Lage der jeweiligen Mühlen an der Pfettrach, die Handwerksordnung der Müller im Pfleggericht Rottenburg von 1681 und die Mühlbschauinstruktion des Pfleggerichts Rottenburg von 1734 mit den entsprechenden Strafen aus dem 17. und 18. Jahrhundert können dank der Forschungsarbeit von Archivar Hans Seidl, der auch dritter Vorsitzender des veranstaltenden Heimat- und Museumsvereins ist, eingesehen werden.

Doch nicht nur Bilder, Listen und Pläne führen durch die Ausstellung, auch Exponate zum Anfassen gibt es wie Gerätschaften dieser früheren Mühlenbetriebe, Getreidesäcke von der Obermühle aus dem 19. Jahrhundert und einen alten Mühlstein. Vorgestellt wird auch die Pfettrach, an der sich wegen ihrer guten Wasserführung diese zahlreichen Mühlenbetriebe angesiedelt hatten.

Am Sonntag, 24. Juni, ist die Sonderausstellung von 14 bis 17 Uhr zum letzten Mal zu sehen. Ausstellungsorganisator Hans Seidl wird anwesend sein und den interessierten Besuchern für alle Fragen zur Verfügung stehen. Um 14.30 und 15.30 Uhr führt er noch einmal durch die Ausstellung, die an diesem letzten Ausstellungstag erneut um einige Attraktionen erweitert wurde. So sind die Aichpfahlsetzungen bei den sechs Mühlen im Jahr 1856 mit dem Lageplan zu Aichpfahl, Mühlschwelle und Fixpunkt zu sehen. Es gibt Informationen zum Neubau verschiedener Turbinenanlagen der Aichermühle, Mittermühle sowie Schrannermühle und das Lohnmahlbuch von der Haunmühle aus den Jahren 1951 bis 1956 wurde als Leihgabe zur Verfügung gestellt, aus dem das Einzugsgebiet der Anlieferer (neben Eugenbach auch Pörndorf, Pfarrkofen, Obergolzaberg und Osterwind), die Mahlintervalle, die Mahlmenge und die Mahlpreise
hervorgehen. Es lohnt sich also noch einmal der Besuch dieser sehenswerten und informativen Ausstellung.