Alte Nikolakirche hatte Pforten geöffnet
Heimatforscher Ernst Gruß führte durch das verwaiste Gotteshaus - Museumsverein lud ein

Zum Tag des offenen Denkmals unter dem Motto "Orte der Einkehr und des Gebets - Historische Sakralbauten" hatte der Heimatund Museumsverein die Alt-Sankt-Nikola-Kirche und die Kuratiekirche St. Othmar in Pfettrach geöffnet. In beide Gotteshäuser waren überraschend viele interessierte Besucher gekommen, die von kompetenten Heimatforschern viel über die Geschichte der Christianisierung im Pfettrachtal, die Kirchen und deren prachtvolle Schätze in ihrem Inneren erfuhren.

Nikolakirche

 

 

Die Vorsitzenden des Heimat- und Museumsvereins, Anton Paukner, Ida Forster und Hans Seidl (von links), bedankten sich bei Ernst Gruß, einem ausgesprochenen Kenner der Altdorfer Kirchen, für seine fundierten Ausführungen.

 

 

 

Die alte St.-Nikola-Kirche ist nur noch zu seltenen Gelegenheiten geöffnet. Das war wohl auch ein Grund, warum so viele zu der Kirchenführung von Heimatbuchautor Ernst Gruß gekommen waren. "Die Geschichte eines Landes beginnt mit der Geschichte seiner Menschen." Mit diesen Worten begann Ernst Gruß, dem nach eigenen Worten schon immer die Kirchen ein besonderes Anliegen waren, seine Ausführungen zur Christianisierung von Altdorf. Die Marktgemeinde zähle zu den am besten erforschten Orten im süddeutschen Raum, sagte Ernst Gruß. Die ältesten archäologischen Funde stammen aus der Mitte des sechsten Jahrtausends vor Christus.

Und auch den ältesten Nachweis seines christlichen Glaubens verdanke Altdorf der Archäologie. Bei Ausgrabungen östlich von Aich wurden im April 1982 Reihengräber aus der Zeit zwischen 660 und 680 nach Christus freigelegt. Nach den gefundenen Grabbeilagen zu urteilen, dürfte es sich hierbei um die ersten Christen von Altdorf gehandelt haben. An einem Skelett einer jungen Frau befand sich eine Perlenkette mit einem Goldanhänger, der mit einem Kreuzzeichen verziert war. Unmittelbar neben den Gräbern wurden Pfostenlöcher eines Gebäudes gefunden, das mit großer Wahrscheinlichkeit das erste Gotteshaus des Pfettrachtales gewesen sei, wusste Ernst Gruß zu berichten.

Die Christianisierung von Altdorf und Umgebung erfolgte durch Benediktiner aus Regensburg, die sich etwa von 650 bis 800 in der Gegend des heutigen Münchnerau niedergelassen haben, um das angrenzende Auengebiet und das Pfettrachtal zu missionieren. Um das Jahr 750 erbauten sie an der Stelle, an der die Kirche AltSt.-Nikola steht, ein hölzernes Taufkirchlein, das vermutlich im Jahr 909 bei den Ungarneinfällen niedergebrannt wurde. Die jetzige Kirche wurde 1480 erbaut.

Ernst Gruß berichtete detailliert über den Bau, nannte die Baumeister der einzelnen Gewerke und die Künstler der damaligen Zeit, die das Gotteshaus mit Deckenmalereien ausschmückten. Auch über die Innenausstattung der Kirche erfuhren die aufmerksamen Zuhörer vom Altdorfer Heimatbuchautor jedes Detail. So stamme der barocke Hochaltar aus der Zeit um 1670. Die Seitenaltäre seien dann um 1740 entstanden, sagte Ernst Gruß. Das kostbarste Stück der Kirche ist die Madonna des Künstlers Hans Krumper. Ernst Gruß wies die Besucher auf die Kanzel aus der Zeit um 1720, die Orgel von 1870 und die Bilder im Chorbogen hin, die die Patrone aller Filialkirchen der ehemaligen Großpfarrei Altdorf zeigen. Zum Schluss seiner Ausführungen sprach Kirchenkenner Ernst Gruß über die Glocken des alten Gotteshauses. Die älteste von ihnen, die Sterbeglocke, stammt aus dem Jahr 1545.

Ida Forster, die Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins, dankte unter dem Beifall der Anwesenden Ernst Gruß für seine umfangreichen Ausführungen mit einem Präsent.