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”Penkerhof” hat eine bewegte Geschichte
Sonderausstellung fand viel Interesse - “Brotbacken” lockte Besucher an

Mit seiner Sonderausstellung "Penkerhof" hat der Heimat- und Museumsverein eine einzigartige Hofgeschichte aufleben lassen. Kreisarchivpfleger Hans Seidl hat, unterstützt durch Heimatbuchautor Ernst Gruß, bei der Vorbereitung dieser Schau in vielen Archiven und Dokumenten gestöbert und hierbei höchst interessante Fundstücke über das einst bäuerliche und gesellschaftliche Leben der Vorfahren zusammengetragen. Diese im Heimatmuseum aufgebaute Sonderausstellung kann auch noch beim nächsten "offenen Museumssonntag" am 27. Juni von 14 bis 17 Uhr oder nach vereinbarten Terminen besichtigt werden.

Ausstellungseröffnung Penkerhof02
Die heute den "Penkerhof' bewirtschaftende Familie Stanglmayr und auswärts wohnende Abkömmlinge mit dem Kreisarchivpfleger Hans Seidl, dem Heimatbuchautor Ernst Gruß und dem zweiten Vorsitzenden ludwig Abstreiter.

Für kaum einen anderen Hof in der Ortschaft Pfettrach liegt eine so große Urkundensammlung wie über den "Penkerhof" vor, erklärte Hans Seidl den Besuchern. Nach der Schilderung des Vereinsvorsitzenden ist diesen Dokumenten zu entnehmen, dass bereits "am Donnerstag nach Pfingsten 1489" der Bischof Georg Altdorfer vom Chiemsee den damals sogenannten "Hammerhof" für die Grundausstattung der "Altdorfer Messe" in St. Martin, Landshut, vom damaligen Hofmarksherrn "Feur zu Pfettrach" käuflich erworben hat. Steuerlisten ab 1612,
Kauf-, Erbrechts- und Heiratsprotokolle aus 1775, Übergabebriefe von 1814 und 1860 sowie der Urkataster von 1845 sind wichtig. Archivdokumente, um die finanzielle und gesellschaftliche Lage auf dem um 1800 in Pfettrach größten Hof rekonstruieren zu können, betonte Hans Seidl. Nach seinen Angaben waren auch Unterlagen aus dem 17. und 18. Jahrhundert über damals anhängig gewesene Streitfälle recht hilfreich, um die bewegte Geschichte des "Penkerhofes" und seiner Besitzer aufarbeiten zu können.

Gute Quellenlage

Bei seinen Recherchen hat Kreisarchivpfleger Hans Seidl anhand der hier guten Quellenlage auch die jeweiligen Besitzer des "Penkerhofes" über 400 Jahre fast lückenlos ermitteln können. Zumeist war deren karger Alltag durch viel Arbeit, zu wenig Geld und öfters auch von Kriegshandlungen betroffen. So wurden am 16. April 1809 der "Penkerhof" und das damals noch in Pfettrach bestandene Wasserschloss von österreichischen Truppen beschossen, die sich auf den Gstaudacher Höhen verschanzt hatten.

Die durch Heimatbuchautor Ernst Gruß angefertigten, großformatigen Bilder untermauern diese hochwertige Sonderausstellung. Als Dank für diese detaillierte Aufarbeitung der Hofgeschichte seiner Familie und deren Vorfahren spendete der jetzige Hofbesitzer Hans Stanglmayr dem Heimat- und Museums verein auch einen namhaften Geldbetrag.

Auch das für den vergangenen Sonntag angekündigt gewesene "Brotbacken wie zu Großmutters Zeiten" lockte viele Besucher in das "Adlhoch-Haus". Bäckermeister Günther Gühl, der für dieses Schaubacken verantwortlich zeichnete, hatte bereits am Vortag den Sauerteig vorbereitet. Am Tag der Museumsöffnung musste der auf dem Museumsgelände platzierte Backofen bereits frühzeitig angeheizt werden, um die nötige Hitze im gemauerten Backraum zu erreichen. Tatkräftig half hier auch Anton Paukner mit. Rosi und Ludwig Abstreiter, die die frische Landbutter geliefert haben, bereiteten mit weiteren Helfern die Brotzeiten vor.

Das geöffnete Museum war ein willkommener Treffpunkt für an der Heimatgeschichte interessierte Mitbürger. Heimatbuchautor Ernst Gruß, Museumsleiterin Monika Weigl und Ehrenvorsitzende Ida Forster führten zeitweilig die Besucher durch die Räume. Gerade die im Gewölbekeller ausgestellten archäologischen Funde sind ein beeindruckendes Zeugnis von alten Kulturen.
LZ v. 07.06.2010