Altdorf

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Besuch in einer Baderstube
FrĂŒher Behandlungsraum - heute ein Gruselkabinett
Schulkinder besuchen die Bader-Ausstellung im Altdorfer Museum
 

„Es werd Zeit, dass i wieder zum Bader geh.“ Diese Redewendung ist den Ă€lteren Leuten noch sehr gelĂ€ufig, die Jungen wissen jedoch nicht mehr um die allerhand Aufgaben, die ein Bader zu erledigen hatte. Nicht nur das Haareschneiden und Bartstutzen gehörte zu seinem Handwerk, auch die medizinische Grundversorgung bei Verletzungen, UnfĂ€llen oder Krankheiten erledigte der Bader. Auch das ZĂ€hneziehen musste er beherrschen, denn ein richtiger Zahnarzt war damals meistens weit weg in der Stadt.

In Altdorf hat es noch um 1930 den Bader-Meier gegeben, der vormittags Sprechstunde hielt, Verletzungen behandelte, medizinische Tinkturen bei AusschlĂ€gen verordnete oder sogar Blutegel ansetzte, wenn die Heilung es erforderte. Nachmittags fuhr er mit dem Radl und seinem Doktorkoffer zu den bettlĂ€gerigen Patienten, beispielsweise nach GĂŒndlkofen, Weihmichl oder sogar bis Pfeffenhausen. Am Samstag Vormittag war Schönheitspflege angesagt: Die Honoratioren der Gemeinde kamen zum Haareschneiden, Rasieren oder zur Bartpflege.

Im Mittelalter fĂŒhrte ein Bader auch kleinere Operationen durch. Der studierte Mediziner, der Doktor, beurteilte nur die Krankheit und gab RatschlĂ€ge, die praktischen Arbeiten hatte der Bader auszufĂŒhren. Und noch eine zusĂ€tzliche Aufgabe hatte der Bader, von der er schließlich seinen Namen erhielt: Er musste einmal in der Woche die Badstube einheizen, damit die Leute aus dem Ort Baden und sich grĂŒndlich waschen konnten. In den einfachen HĂ€usern gab es damals noch keine Badewanne, kein fließendes und schon gar kein warmes Wasser. Der Bader wurde von der  Obrigkeit bezahlt, bekam Holz zum Anheizen des Ofens und in Altdorf extra noch Heu, das er zum Abreiben der BĂ€degĂ€ste brauchte.

Den Kindern der Grundschule Altdorf  gruselte es schon ein wenig, als sie einen lebenden Blutegel anschauen konnten. So lagen auch eine Zange und ZĂ€hne, die man frĂŒher ganz ohne BetĂ€ubungsspritze gezogen hat, noch auf dem Behandlungstisch. In einem

Schaffel, eine Art kleiner hölzerner Badewanne, probierten sie das (Trocken)-Baden aus, und die Buben ließen sich eine Probe-Nassrasur machen. Alle waren dann jedoch froh, dass sie heute leben und zuhause eine Dusche haben und nicht bis zum Samstag warten mĂŒssen, um beim Bader in ein Schaffel mit warmem Wasser zu springen. Wenn sich Schulklassen aber auch heute noch in die Baderstube trauen, fĂŒr die bietet das Museum Adlhoch-Haus noch bis Ende Oktober nach Anmeldung FĂŒhrungen an, Telefon 0175-4269876. Es wird auch keinem der Zahn gezogen ...!