Grablege der Grafen zog Besucher an
Familiengruft war zu besichtigen - Kreisarchivar Hans Seidl führte durch die Kirche St. Othmar

Die Kuratiekirche St. Othmar konnte die vielen Besucher kaum fassen, die zu der Kirchenführung anlässlich des Tages des offenen Denkmals gekommen waren, und auch die Gruft in der Michaelskapelle besichtigen konnten. Kreisarchivpfleger Hans Seidl sprach über die Baugeschichte und die Inneneinrichtung des Gotteshauses, unterstützt von Diakon Michael Weigl, der über die Geschichte der Heiligen Bescheid wusste, bevor Freiherr Erasmus von Fürstenberg die Geschichte seiner Vorfahren erzählte.

St OthmaHans Seidl, der seine Heimatkirche St. Othrnar selbst am besten kennt, referierte aus den Unterlagen des verstorbenen Pfarrers Max Auer, die dieser über die Kuratiekirche erstellt hatte. Auch in Pfettrach wird wohl vor über tausend Jahren zuerst ein Holzkirchlein gestanden haben. An der Stelle des heutigen Gotteshauses, das um 1500 erbaut worden ist, gab es sicher eine Vorgängerkirche, da Grabungen im Jahr 1998 aus Backsteinen bestehende Mauerwerke zutage förderten. Skelettreste, die gefunden wurden, belegen das Vorhandensein eines Friedhofs bereits zur Zeit der Vorgängerkirche. Die heutige Kirche erfuhr um das Jahr 1700 eine barocke Umgestaltung und wurde 40 Jahre später noch um zwei Rokoko-Seitenaltäre erweitert.

1805 wurde noch der Grafen- oder auch "Deroy-Kapelle" genannte Anbau errichtet. Heute heißt sie Michaelskapelle, deren Rokokoaltar vor zehn Jahren hervorragend restauriert wurde, wie Hans Seidl sagte. Das Prunkstück der aus einem einschiffigen Langhaus bestehenden Kirche ist der Hochaltar. Wie Hans Seidl berichtete, erhielt dieser bei der Restaurierung im Jahr 1998 seine beiden Seitentüren zurück, auf denen der heilige Florian und der heilige Antonius abgebildet sind. Die Türrahmen wurden zu Konsolen für zwei Heiligenfiguren gestaltet. Der linke Seitenaltar ist der Kreuzaltar mit der Schmerzhaften Mutter Maria zu Füßen des Gekreuzigten. Der rechte Seitenaltar ist der Heiligenaltar, auf dessen Altarbild mehrere Heilige dargestellt sind. Als sehenswerte Ausstattungen des Kirchenschiffes nannte Hans Seidl die Sandsteinmadonna von 1710, den Erzengel Michael mit Flammenschwert und Seelenwaage sowie die Rosenkranzmadonna, beide Kunstwerke wurden um 1700 von dem Landshuter Anton Hiernle aus Lindenholz geschnitzt.

Diakon Michael Weigl sprach über den Kirchenpatron, den heiligen Othmar, dessen Leben recht turbulent verlief. Die Othmarstatue in der Kirche ist nun wieder vollständig. Bei einer Restaurierung wurde der abhanden gekommene Abtstab wieder hergestellt und auch das andere Erkennungszeichen des Heiligen, ein Weinfässchen, komplettiert nun wieder die Figur. Nach der Legende wurde das Weinfass, aus dem Abt Othmar Pilgern und Armen zu trinken gab, wundersamerweise nie leer.

Es gibt die kirchenrechtliche Bestimmung, dass in einem Altar, auf dem das Messopfer dargebracht wird, Reliquien von Heiligen eingelassen werden müssen, sagte Diakon Weigl. In St. Othmar sind es die Gebeine des heiligen Filicissimus. Wie der Diakon ausführte, kamen diese erstmals 1841 in die Kirche. Dass sie aber schon früher in Pfettrach gewesen sind, beweist eine Urkunde vom 9. Januar 1795. Als die beiden Seitenaltäre 1963 abgebaut und zur Restaurierung gebracht wurden, verlor auch der heilige Felicissimus seinen angestammten Platz. Nach einer jahrelangen Odyssee sind die Gebeine des Heiligen inzwischen wieder in das Gotteshaus zurückgekehrt und befinden sich ordnungsgemäß in einer Nische der Rückseite des Altars.

Ein Ausflug in die europäische Geschichte waren die Ausführungen von Freiherr Erasmus von Fürstenberg, dessen Ahnen in der Gruft der Michaelskapelle bestattet sind. Die weit verzweigten Verbindungen seiner Vorfahren reichen bis zu Napoleon und den Dogen von Venedig zurück. Das gehe aus den belegten Urkunden seiner Familienforschungen hervor, wie der Freiherr ausführlich darlegte.

Anschließend bildeten sich lange Schlangen vor der Ziegelsteintreppe, die zur Familiengruft hinabführt. 1842 errichteten die Grafen Deroy, die damaligen Gutsherren von Pfettrach, unter der Kapelle ihre Grablege. Es wurden 24 Grabnischen in die Seiten der Grabkammer gegraben. Neun Angehörige der Grafenfamilie wurden zwischen 1842 und 1905 hier beigesetzt. Mehrere Kammern sind offen und wohl nie als Ruheort eines Sarges benützt worden.

 

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