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“Verseh`-Garnitur” gehörte zu jedem Haus
Sonderausstellung im Museum zur einstigen Sterbebegleitung

“Mit dem Sterben haben sich unsere Vorfahren anders wie heute auseinandergesetzt”. Mit diesem Resümee beschrieb Vorsitzender Hans Seidl vom Heimat- und Museumsverein die “Verseh`-Ausstellung” im Museum “Adlhoch-Haus”. Einige Leihgeber hatten dankenswerterweise für diese Son-derschau ihre alten “Verseh`-Garnituren” bereitgestellt. Auch das Sterben gehört, wie 2.Bürgermeister Helmut Maier bekräftigte, als irdischer Schluss-punkt zum Leben.

Versehaustellung02Zu dieser Ausstellung im Museum hatten sich viele Interessierte eingefunden. Hans Seidl dankte vorab der Ehrenvorsitzenden Ida Forster, diese Sonder-schau organisiert zu haben. “Der Sterbende war früher im Haus und damit mitten in der Familie”, erklärte der Vorsitzende. In bei den Verseh`-Garnituren aufliegenden Beschreibungen konnten die Ausstellungsbesucher den einst üblichen Beistand für die Schwerkranken und Sterbenden nachlesen.

Anschaulich schilderte anschließend die Ehrenvorsitzende Ida Forster den Beistand der Angehörigen. “Zum Verseh`-Gang gehörte immer die Eucha-ristie”. In jedem Haus war eine “Verseh`-Garnitur” vorhanden. Die Sterbe-kerze war oft die Tauf- oder Kommunionkerze. Wasser, Weihwasser, Salz und Öl gehörten ebenfalls dazu.

Beim Verseh`-Gang kam der Pfarrer, begleitet von zwei Ministranten, mit dem Allerheiligsten, erläuterte Ida Forster. Sie verwies auch darauf, dass damals die Gläubigen den hier besonders gekleideten Pfarrer mit viel Ehrfurcht begegneten. Mit dem Ritual der Krankensalbung, landläufig zumeist als “letzte Ölung” bezeichnet, ist der Geistliche dem Schwerkranken oder Ster-benden beigestanden.

Den Verstorbenen hat die “Seelennonne” (“Totenfrau“) aus- und dann angezogen und für die Aufbahrung und Beerdigung eingesargt, schilderte Ida Forster. Nach ihren Angaben wurden schon eingesargte Verstorbene, weil auf dem Land die Leichenhäuser erst nach dem zweiten Weltkrieg entstan-den, zu Hause aufgebahrt und später unter großer Anteilnahme der Trauernden zum Friedhof für das Begräbnis gebracht. Im “Sterbehaus” wurden stets drei Rosenkränze für den Verstorbenen gebetet.

Im Verlauf ihrer Ausführungen spannte Ida Forster auch einen großen Bogen von dem christlich geprägten Begräbnis bis hin zu den Bestattungsarten der Steinzeit. Schon damals haben die Menschen an ein “Leben nach dem Tod” geglaubt und daher dem Verstorbenen oft eine Wegzehrung und sogar Gebrauchsgegenstände mit in das Grab gegeben.

An diese Aussage der Ehrenvorsitzenden knüpfte auch Heimatbuchautor Ernst Gruß an, der an diesem “Sonntag der offenen (Museums-) Tür” durch die archäologische Ausstellung im Kellergewölbe führte. Dort sind Exponate oder Bilder über die Bestattung von Toten vor Jahrtausenden zu besichtigen. “Diese stummen Zeugnisse des einstigen Lebens und Sterbens der eng mit der Natur verbundenen Menschen in unserer Heimat passen auch zu dieser Sonderausstellung”, meinte Ernst Gruß. Damit diese für das Publikum geöffnet werden konnte, dazu haben Edeltrud Englert, Josef Maier, Anton Paukner und Helmut Stempfhuber mitgeholfen.

 

Bild: Bereits zur offiziellen Eröffnung der “Verseh`-Ausstellung im Museum “Adlhoch-Haus” fanden sich viele Besucher ein